Das Herz

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Lestat de Lioncourt
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Das Herz

Beitragvon Lestat de Lioncourt » Do 21. Sep 2017, 18:58

Wie gebannt;
lässt sie mich nicht los.
Wie verbrannt;
mein Sinn.
Bin gerannt;
nur für sie.

Bewunderung.
Für sie bloß.

Verwunderung.
Warum trägt sie ein dunkles Herz
in ihrem
Schoß?


Lestat - Poesie
- Warum ist da ein Herz im Schoß?
~ Wieso? Sollte da keines sein?

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Das Herz - eine Kurzinterpretation

Beitragvon Lestat de Lioncourt » Di 26. Sep 2017, 20:28

Ich behaupte: es geht um das Miteinander von Hingabe und Leidenschaft.

Was geschieht? Eine Person erblickt eine Frau und fällt in Bewunderung. Dann erkennt er eben dieses dunkle Herz in ihrem Schoß.

Was haben wir? In der ersten Strophe ist ein Sinn - und Verstand sowie irgend ein Rennen. Die zweite Strophe bietet zielgerichtete Bewunderung. Und die dritte Stophe Hat wieder Herz und einen Schoß. Allen drei Strophen gemeinsam ist der Reim auf "os", wobei die erste Strophe noch "rannt" reimt. Dazu kommt das Homöoteleuton in der zweiten und dritten Strophe mit der "wunderung".

Schauen wir in die erste Strophe. Mit Brennen verbinde ich Feuer, und damit Leidenschaft. Diese Leidenschaft überwindet den Verstand (verbrennt den Sinn). Sie wird dominant. Das Rennen führt diese Leidenschaft fort und mag sie sogar verstärken. Dafür spricht der Reim und eine gewisse Klimax vom reinen Brennen in eine Bewegung.

Wir überspringen die zweite Strophe und sehen uns die dritte an. Mit dem Herz und Schoß lässt sich eine liebevolle Hingabe assoziieren. Hier darf die Kombination von beiden in natürlicher Weise diese Hingabe verstärken. Ich mag so weit behaupten, dass dies nicht einmal eines Reims bedarf.

Unter dem gegebenen Kontext lässt sich das dunkle Herz als Water Spot deuten. Damit wird etwas aus dem Innersten präsent und trägt sich nach draußen. Mit den Wassers als erotisches Moment darf mit Hilfe deren Direktheit und der eher dezenten Bewegung (innen nach außen) auch hier von Leidenschaft ausgegangen werden. Sie ist - im Vergleich zur ersten Strophe - eher geheimnisvoll: das dunkle Herz. Und da sich diese Leidenschaft zusammen mit der HIngabe ausdrückt, bilden beide eine natürliche und selbstverständliche Einheit.

Jetzt stellt sich die Frage, ob wir auch in der ersten Strophe Hingabe finden. Sie findet sich - im "wie gebannt; lässt sie mich nicht los". Im Vergleich zur prominenten Leidenschaft, ist diese Hingabe eher dezent. Nicht ganz so natürlich und selbstverständlich ist die Einheit der Leidenschaft und Hingabe dort. Sie bedarf des Reims.

Es sind unterschiedliche Erscheinungsweisen von Hingabe und Leidenschaft, die sich in der Bewunderung mit der zweiten Strophe treffen. Diese Verbindung festigt sich im Reim auf "os". Geht die Bewunderung expressis verbis von der ersten Strophe aus, findet sich für deren Umkehrung - von der zweiten Strophe ausgehend - nicht gleich ein Begriff. Ich mag hier vermuten: es ist die reine Natürlichkeit, die sich hier mit Bewunderung paart.

Also - wir haben ein Miteinander von Leidenschaft und Hingabe - q.e.d.

Wer meint, die Deutscharbeit wäre schon zu Ende - was ist mit dem Homöoteleuton? Warum steht der Bewunderung plötzlich so eine Verwunderung entgegen? Ziehen wir wieder die Natürlichkeit von eben heran. Es ist die Natürlichkeit der Wasser, die gesellschaftlich eher umstritten, in der formulierten Frage in Frage steht, wenn nicht abgelehnt ist. Wird dies überwunden? Wenn wir uns rein auf die Natürlichkeit besinnen und dabei die gesellschaftliche Norm (den Sinn in der ersten Strophe) nihilieren, dann mag ich sagen ja.

Was hat jetzt das eine (Leidenschaft und Hingabe) mit dem anderen (gesellschaftliche Norm) zu tun? Vielleicht stehen beide einfach ineinander - weil es sich so ergeben hat.
- Warum ist da ein Herz im Schoß?
~ Wieso? Sollte da keines sein?

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Das Herz - die Deutscharbeit ist noch nicht zu Ende

Beitragvon Lestat de Lioncourt » Mi 27. Sep 2017, 11:55

Leidenschaft und Hingabe stehen nicht ohne Grund mit der gesellschaftlichen Norm ineinander. Dieser Nebenkriegsschauplatz ist vielleicht noch interessanter: es geht um eine neue Dimension und deren Zulässigkeit.

Schauen wir noch einmal, was wir haben. Da ist Leidenschaft und Hingabe, wie sie aus sich gegenseitig erwachsen. Da ist das Homöoteleuton mit den "Wunderungen". Wir haben die Fragestellung in der dritten Strophe. Und wir haben die Ich-Form der ersten Strophe mit dem Fokus alleine auf "sie" in der dritten Strophe.

Da gerade in der dritten Strophe die Erotik eine Rolle spielt, gehen wir kurz auf eine Definition ein. Das rein Äußerliche ist sicherlich eine sehr einfache und eingängige Wahrnehmung von Erotik. Die andere Seite ist die erotische Ausstrahlung (ob gewollt oder einfach nur so und intuitiv). Wenn wir so wollen, geht das erst von außen in unser Innerstes, das zweite genau den umgekehrten Weg. So dürfen wir Erotik als etwas aus unserem Innersten für unser Innerstes definieren - und legen uns nicht auf das "Etwas" und die beteiligten Personen fest. Zusätzlich bemerkt: wenn wir Theologie betreiben, folgt diese Definition aus dem geistlichen Prinzip schlechthin - was eine viel längere Geschichte ist.

Es liegt mehr als nahe: die Wasser gehen als eine Ausprägung der Erotik vom Innersten (im wahrsten Sinne des Wortes) der Frau in der dritten Strophe aus. Die Frau mag für sich sein, doch sie lässt die Wasser nach außen erkennbar zu. Jetzt ist diese Ausprägung für die Frau mit all ihrer Hingabe und Leidenschaft etwas Natürliches, aber gesellschaftlich als solches nicht etabliert oder nicht akzeptiert. Nachdem unser Ich in der ersten Strophe andere Ausprägungen der Erotik von der Frau wahrgenommen hatte (das dürfen wir annehmen), kommt plötzlich diese neue Ausprägung als eine neue Dimension für das Ich hinzu.

Die "Wunderung" entartet (der Be- mischt sich Verwunderung bei). Noch ist dem Ich nicht klar, was es mit den Wassern anfangen kann. Noch steht die Frage im Raum. Doch da ist bereits die Wahrnehmung des Herzens. Die Frau hilft dem Ich bei seiner Findung (die Herzform, die Natürlichkeit). Schließlich ist Leidenschaft und Hingabe beim Ich noch erhalten (wird nicht explizit aufgelöst). Und der Rest bleibt (in der Dunkelheit des Herzens) gerne noch ein Geheimnis.

Die neue Dimension ist da. Ihre Zulässigkeit "noch in der Moderation". Alle Zeichen stehen auf zulässig. Eh - wer ist eigentlich das Ich?
- Warum ist da ein Herz im Schoß?
~ Wieso? Sollte da keines sein?

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Re: Das Herz

Beitragvon humidum » So 1. Okt 2017, 13:19

Ouh mann... Weil keiner eine Antwort parat hat, antwortest Du Dir selbst und erklärst auch noch was Du eigentlich mit Deinem 'Gedicht' meinst. Nenene... :-D


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